Edgar A. Poe Unterschrift
Text von Holger Mettler, unter leichter Mitarbeit von Peter Marwitz
«Das ganze Geheimnis des Lebens läuft darauf hinaus, daß es keinerlei Sinn hat; daß aber jeder von uns dennoch einen ausfindig macht!»
(E.M. Cioran, Gedankendämmerung)

«Es gibt Nächte, die der einfallsreichste Folterer nicht erfinden könnte. Man kommt aus ihnen in Bröseln hervor, stumpfsinnig, verwirrt, ohne Erinnerungen und Vorahnungen, und ohne auch zu wissen, wer man ist. Dann geschieht es, daß der Tag unnötig scheint, das Licht verderblich und noch bedrückender als die Finsternis.»
(E.M. Cioran, Vom Nachteil, geboren zu sein)



E.M. Cioran hat, dies mag zuerst eine Vermutung sein, einen großen Einfluß auf das künstlerische Wirken und Schaffen von Mylène Farmer. Als einer ihrer "spirituellen" Väter hat er wesentlich zu ihrer Auseinandersetzung mit dem Zweifel am Dasein, an der Religion, an der Obsession des Todes etc. beigetragen. Im folgenden Text beleuchten wir einige Facetten des Cioran'schen Denkens, stellen Bezüge zu Mylènes Werken her, erläutern anhand biographischer und erklärender Thesen E.M. Ciorans Leben und Werk und schließen mit einer Leseempfehlung.


Ciorans Denken

Äußerst unterschiedliche, kulturell divergierende, jedoch miteinander verwandte philosophische Schulen und Denksysteme prägen Ciorans Denken. Die europäische Mystikgeschichte, das deutsche Mittelalter eines M. Bubers, die Zerrissenheit und Widersprüchlichkeit der Pascal'schen Analyse der Menschheitsgeschichte, die spirituelle Verzweiflung Kierkegaards, Nietzsches Attacken gegen die Welt, der russische Spiritualismus eines Tolstojs und Dostojewskis, die apokalyptischen Beschreibungen eines O. Spenglers, die Lebensphilosophie seines rumänischen Lehrers Nae Ionescu sind dabei nur die wichtigsten Einflüsse.

Cioran hat sich neben der Auseinandersetzung mit der Christen- und Kirchengeschichte auch sehr intensiv mit hinduistischen und buddhistischen Weisheitslehren beschäftigt ohne sich aber spirituell an einen Glauben zu binden. Im Gegenteil, dieses Unikat der Geistesgeschichte schwingt mit erbarmungsloser Härte seinen philosophischen "Hammer" und zertrümmert die Illusion durch Erkenntnis zur Wahrheit des Seins zu finden!

Indem er sich gegen jede Form von Denksystemen wendet, spricht er einem Individualismus und der Empfindung das Wort, das erst in der Grenzerfahrung zu sich selbst findet. Auch wenn Ciorans Leben und Werk tiefe mystische Züge tragen, entscheidet er sich zwischen den zwei Möglichkeiten, der Verzweiflung am Dasein angesichts des erkenntnisorientierten aber desillusionierten Menschen philosophisch zu entkommen: der Mystik und dem Skeptizismus, für den letzteren.

Sein Werk ist geprägt von der Entlarvung unserer allgegenwärtigen Illusionen (De-Illusion) und Selbsttäuschungen, die unser Dasein überhaupt erst ermöglichen Dabei richtet sich sein Skeptizismus nicht allein gegen Sprache, Philosophie, Geschichte und Religion, sondern in einem beinahe selbstzerstörerischen Duktus die auch gegen sich selbst. Einzig in der Musik erkennt er geeignetes Mittel, um die schmerzenden Fesseln des Bewußtsein zu sprengen. Mozart und Bach sind für ihn die beiden Komponisten deren unterschiedliche musikalische Temperamente er poetisch beschwört.

Im Laufe der Jahre entwickelt sich Ciorans Philosophie auf eine stoische Position zu (Hauptforderung aller Stoiker war: "Werde ein Weiser!") deren Mittelpunkt die Beschäftigung mit dem von Existenzangst, Leid, Tod und dem Bösen geprägten Dasein des Menschen bildet. Ausgangspunkt seiner in der von starken Empfindungen geprägten Selbstbetrachtung bildet auch ein Abscheu vor dem Leben, jenes Gefühl, das auch Sartre zuweilen befallen hat und der dafür die Bezeichnung "nausee" (dt. Ekel) geprägt hat. Cioran hält den "Tod" an sich für "das einzige wahre Kriterium", wobei nur wenige Menschen sich in diese Auseinandersetzung begeben. Die Langeweile, das schmerzhaft-melancholische Daseinsgefühl des "ennui" und "cafard" prägen ihn.

Ein Zitat dazu: «Das Paradoxe meines Wesens ist, das ich eine Leidenschaft für die Existenz habe, zugleich aber alle meine Gedanken gegen das Leben richte. Ich habe von Anfang an die negative Seite des Lebens gespürt und gefühlt, das alles leer ist. Ich habe an einer fundamentalen Langeweile gelitten. Das ist vielleicht angeboren, dagegen kann man nicht ankämpfen. Das französische Wort dafür ist absolut unübertragbar und heisst cafard. J'ai le cafard. Dagegen kann man nichts machen. Das muß sich von selbst erschöpfen.» (aus E.M. Cioran: "Cafard"-Originaltonaufnahmen 1974-1990).

Aufgrund seiner Ideen und seiner eigenwilligen Persönlichkeit kann Cioran als einer der bedeutendster Skeptiker und radikalster Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts angesehen werden. Die Schönheit und Poesie seiner Worte, dargestellt in kurzen Aphorismen, auf dem Boden einer inszenierten aber auch gelebten Verzweiflung, hat oftmals für die sprichwörtlich geneigten Leser auch eine "katharische" bzw. heilende Wirkung in der Auseinandersetzung mit der eigenen Existenz, die sich in der Grenzerfahrung befindet. Seine Dekadenz, seine Morbidität, sein Skeptizismus ist gegen das Gift des Seins gerichtet. Seinen Schriften und Aphorismen wirken wiederum als Serum gegen dieses Gift.

In Deutschland wurde sein Werk erst spät Ende der 80er Jahre bekannt. Im Suhrkamp-Verlag sind die meisten seiner Werke als Taschenbücher erschienen.


Der Bezug zu Mylène Farmer

Der besondere Geisteszustand der poetischen, desillusionierenden, begierdefreien, ernüchternden, von intellektuellen Fähigkeiten gänzlichen unabhängigen Klarsicht bzw. Luzidität ist meiner Meinung nach einer der zentralen Bestandteile in Mylène Farmers künstlerischen Auseinandersetzung, und diese wiederum ist geprägt von einer Wesenverwandtschaft mit Cioran und seinem literarischen Werk. Auch die "Wut" und der Skeptizismus angewandt auf alle Formen von Glaubenssystemen, der sich bei Mylène Farmer durch das symbolhafte Zerschlagen von moralischen Vorstellungen und den damit verbundenen Tabus zeigt, ist eng verbunden mit Ciorans literarischem Werk und seine besonders obskuren Biografie.

Ich weiß leider nicht, ob Mylène in Paris E.M. Cioran begegnet ist. Es ist auch schwer zu wissen, welche Bücher von Cioran auf Mylènes Nachtisch liegen, doch in mehreren Interviews gibt sie an, alle Bücher von Cioran zu besitzen bzw. auch gelesen zu haben. In manchen Interview hat man auch den Eindruck, daß sie viel mehr zu diesem Thema sagen würde, doch die Interviewsituation bzw. auch die oftmals unwissenden Fragenden geben keine Gelegenheit dazu. Genug "philosophische" und künstlerische Spuren zu Cioran streut sie aber trotzdem seit Beginn ihrer Karriere aus. Mylène verläßt hierbei die sonstigen Klischees des eines Pop-Stars und des Showbiz und zeigt damit auch ihre ungemein philosophischen Seiten auf.

Ich würde sogar soweit gehen, daß neben ihrer literarischen Auseinandersetzung mit Cioran ebenfalls eine künstlerische Einarbeitung von Inspirationen aus Ciorans Werk stattfindet, manchmal werden sie in der extrem morbiden Art in der Öffentlichkeit (siehe die legendäre TV-Show "Mon Zenith à moi" 1987, wo Mylène sich u.a. Filmausschnitte von Amnesty International mit Exekutionen und Leichen mit abgeschnittenen Köpfen wünscht), in den Texten, der Musik und in den Filmen sichtbar. Dies kann auch unter dem Aspekt eines mylèneschen Versuch gesehen werden, "kathartisch", sich in ihrer ihre künstlerischen Arbeit auszudrücken. Cioran ist oftmals die "Seelenapotheke" bzw. das Therapeutikum für zerrissene und "krankhafte" Seelen, die sich in Grenzerfahrungen oder sich in Nähe des Gedanken an den freiwilligen Todes begeben.

In vielen Texten ist ihre Auseinandersetzung mit der Kirche (Agnus Dei), dem Selbstmord (Au bout de la nuit, Chloé, Jardin de Vienne), der Widersprüchlichkeit im Leben (Sans contrefaçon), die Paradoxien im Leben (Sans logique), der Zweifel an der Inszenierung des Lebens (Pas de doute), der buddhistische Zweifel an einem besseren Leben nach dem Tode bzw. am Paradies (Il n'y a pas d'ailleurs), der Zustand der Ekstase (Vertige), die Schlaf- und Ruhelosigkeit (Pas le temps de vivre, Effets secondaires) analog zu Cioran sichtbar. Ich möchte aber hier nicht in die Gefahr einer Überinterpretation ihrer Texte gelangen, erst Mylène selber kann hier Klarheit schaffen bzw. man muß durchaus die vielen Facetten ihres Gesamtkunstwerks sehen.

Der direkte Bezug aber zu Cioran liegt meiner Meinung im Album "
L'autre..." bzw. insbesondere noch im Lied "Désenchantée" (dt. Ernüchtert/Desillusioniert). Die Zerrissenheit bzw. Widersprüchlichkeit des Menschen bzw. einer Person in ihrem Glauben und ihrer Existenz ist hier genauso wie bei Cioran beschrieben, insbesondere in den letzten 6 Strophen.


Mylènes Zitate und Anspielungen auf Cioran:

«Mit dem Schreiben habe ich die Schleusen zu all meinen Emotionen, meinen Verwirrungen geöffnet. Das war lebenswichtig. Auf dem vorhergehenden Album ("Anamorphosée") habe ich sanftere, weniger gewalttätige Dinge ausgedrückt, ich dachte, daß ich auf dem Weg des inneren Friedens wäre. Mit "Innamoramento", meinem letzten Album, wurde mir merkwürdigerweise bewußt, daß ich aufs Neue in Richtung der anderen Welt, anderer Ängste schwenke... Alles entsteht und zerfällt unerbittlich.
(...) Wenn es um Literatur oder Malerei geht, bewege ich mich spontan in die Richtung der düsteren Werke. Cioran, Baudelaire, Julien Green, Edgar Poe, Egon Schiele... Ich finde darin einen Dialog, eine Familie.»
(Vogue, 1999)

«Aber es scheint, daß Sie sich in Paris langweilen. Was ist Langeweile, und ihr Gegenteil, für Sie?
Ich langweile mich schnell, wenn ich nicht schöpferisch tätig bin, wenn ich nicht nicht von einem Wesen, mehreren Wesen (sie hat sich schnell korrigiert) in Anspruch genommen werde. Aber die Natur dieser Langeweile ist nicht, nicht zu wissen, was man tun soll, um sich zu beschäftigen. Es ist vielmehr die Langeweile eines Philosophen wie Cioran. Diese Langeweile ist tief in mir, unerklärlich und es gibt nichts Großartiges, was ich gegen sie tun kann.»
(TéléMoustique, 1999)

«An Literatur mögen Sie Cioran?
Er ist jemand, der sehr gut über "die Unannehmlichkeiten des Seins" schreibt und uns durch seinen Zynismus zum Lachen bringt. Ich liebe seine Selbstverspottung. Alles, was er ausdrückt ist sehr wohl jenseits der Verzweiflung, es ist dermaßen treffend formuliert, grausam ulkig, so gut geschrieben. Er hat alle Poesie, alle Romantik zur "Depression" erhoben, zur "Vernichtung des Seins", was alles noch viel brutaler macht. Er ist auch ein sehr verführerischer Mensch/Mann.»
(Interview zu «Giorgino», 1994)

«Die Hölle ist, da zu sein, und das Paradies ist ebenfalls, da zu sein! Krankheit ist die Hölle, die schlimmste Sache, die jemanden ereilen kann; und außerdem "l'Enfer c'est les autres" ("die Hölle sind die anderen"), wie mal jemand – ich weiß nicht mehr, wer – gesagt hat! (Anm. P.M.: Die Zeile stammt aus Mylènes Lied "Vieux bouc" und aus Jean-Paul Sartres Werken...)»
(TéléVidéoJacquette, 1986)


Dazu Cioran:

«die offenbarung der immanenz des todes im leben findet im allgemeinen in der krankheit und in den depressiven zuständen statt. gewiss gibt es auch andere wege, sie sind jedoch gänzlich zufällig und individuell, so dass ihnen kein dem siechtum oder den depressionen vergleichbares offenbarungsvermögen zukommt. Sollten die krankheiten überhaupt eine philosophische sendung auf erden haben, so kann es nur diejenige sein aufzuzeigen, wie trüglich das gefühl der ewigkeit des lebens und wie zerbrechlich die illusion seiner endgültigen beendigung oder erfüllung ist. das leben ist so beschaffen, dass es seine potentialitäten nur verwirklichen kann, indem es sich verhält, als stelle der tod keine unabwendbare gegenwart dar.»
(aus: E.M. Cioran: Auf den gipfeln der verzweiflung)


Biographie

CIORAN, Emile Michel: mit rumänischem Namen Emil Mihai C., wurde 1911 in Rètinari bei Sibiu (Hermannstadt) im ungarischen Teil der Habsburgermonarchie, heute Rumänien, geboren. Er starb 1995 nach über 50 Jahren im Pariser Exil. – Nach einer glücklichen Kindheit, die sehr stark durch die Nostalgie der KuK.-Monarchie und einem freien Landleben geprägt ist, erlebt Cioran den dramatischen Verlust seiner Kindheit mit dem Eintritt in das Gymnasium. Für Cioran ist dieser Übergang eine Katastrophe. Anhaltende, zermürbender Schlaflosigkeit plagen ihn, diese wird ihn lebenslang begleiten, gleichzeitig nährt sie ihn mit einer nicht zu stillenden Wissensgier und einer extremen Auseinandersetzung mit seinem Dasein. Cioran deutet aber diesen Zustand neu. Gesundheit sieht er als den gesegneten Zustand des nichtwissenden Seins, Krankheit als schmerzhafte Auseinandersetzung mit dem Ich, uns produktiv machend, uns "Zugänge zu unserer letzten Realität, manchmal zum Unsichtbaren" ermöglichend. (Cioran: Absturz in die Zeit)

Das Unbehagen an der Existenz und die Obsession für den Tod werden für ihn zur Leidenschaft. Nach seiner Schulzeit beginnt C. ab 1926 mit seiner ersten Phase intensiver philosophischer Lektüre und nimmt 1928 sein Studium der Ästhetik und Philosophie an der Universität Bukarest auf. Seine Schwerpunkte sind Kant, Fichte, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Simmel, Woringer, Wölfflin, Spengler, Husserl, Heidegger, die russischen Spiritualisten und die orientalischen Mystiker. In besonderem Maße widmet sich Cioran dabei der deutschen Lebensphilosophie, die aus dem Geist der Romantik heraus insbesondere die "Empfindung" in den Fokus ihrer Betrachtung stellt.

1934 wird Ciorans Erstlingswerk »Pe culmile disperwrii« (Auf den Gipfeln der Verzweiflung) der Preis junger rumänischer Schriftsteller verliehen. 1936 arbeitet er als Lehrer für Philosophie am Gymnasium »Andrei Uaguna« in Brasov (Kronstadt), wonach er 1937 als Stipendiat des Bukarester Institut français nach Paris geht, um eine Dissertation über Nietzsches Ethik zu schreiben. Zwischen 1939-1941 erfolgen weitere Studienaufenthalte in Berlin. Die geplante Dissertation nimmt Cioran niemals in Angriff; dafür veröffentlicht er bis 1944 weitere fünf Bücher in rumänischer Sprache. – Als nach dem Zweiten Weltkrieg eine Rückkehr nach Rumänien für C. nicht mehr in Frage kommt, entschließt er sich, in Frankreich zu bleiben, wo er, nachdem 1945 sein Stipendium zu Ende geht, in sehr ärmlichen Verhältnissen lebt. Um seine Integration in die neue Umgebung zu beschleunigen, entschließt er sich, fortan in französischer Sprache zu schreiben. Bereits seinem ersten, 1949 bei Gallimard erscheinenden, französischen Werk »Précis de décomposition« (Lehre vom Zerfall), das sich entschieden gegen Aufklärung und Rationalismus wendet, wird ein Jahr später der »Prix Rivarol« verliehen. C. lehnt aber alle Auszeichnungen ab, die ihm zuerkannt werden. Seinen Werken gebühre kein Beifall, meint Cioran. Da sie allesamt Werke der Negation seien, negiere auch er selbst jede Auszeichnung. Von 1960 bis zu seinem Tod lebt Cioran. bescheiden und in ärmlichen Verhältnissen in einer Mansardenwohnung im Quartier Latin. Sein Fremdsein in dieser Stadt im geographischen wie auch metaphysischen Sinne wird aber auch durch folgendes Zitat sichtbar:

«Wie in einem entlegenen Weiher verkriecht sich auch in Paris die Zeit, kauert sich in einem Winkel des Bewußtseins, und du bleibst mit dir selbst allein - mit deinem Schatten und deinem Licht.» (aus E.M. Cioran, Gedankendämmerung).

Innerhalb der Philosophie blieb E.M. Cioran stets ein Außenseiter. Er hat kein systematisches Werk hinterlassen, keine Schule begründet, sondern lediglich ein Leben lang Essays und Aphorismen verfaßt. Von den Fachphilosophen wird er deshalb gern als "Literat" abgetan. Andererseits halten viele der heute kritischen Philosophen sein Gesamtwerk als einen der wichtigsten originären Beiträge zur Philosophie- und Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts, die in ihrer Radikalität ihresgleichen sucht. In Frankreich wird er hochgeschätzt als Stylist der französischen Sprache der die hohe Kunstform des literarischen "Essays" in neue Dimensionen voranbrachte . Bis zu seinem Tod 1995 lebte Cioran zurückgezogen in Paris und war, von vereinzelten Interviews abgesehen, nicht zu öffentlichen Äußerungen bereit. Er, der französisch und deutsch ebenso gut wie seine Muttersprache beherrscht, war trotz seines "dämonischen" und "transsilvanischen" Wesens ein durchaus humorvoller und warmherziger Mensch, letztendlich ein lebender Humanist par excellence!


Leseempfehlung

Zum Einstieg sei das Buch: "Richard Reschika: E.M. Cioran zur Einführung" empfohlen, der wie ich meine uns mit einer phantastischen und spannenden Biographie und dem Werk von E.M. Cioran vertraut macht.

E.M. Cioran ist nicht leicht im französischen Original zu lesen, auch die durchaus hervorragenden deutschen Übersetzungen, sind in der Sprache sehr anspruchsvoll. Zur Einführung sei das Buch "Gedankendämmerung" empfohlen, das im Grunde genommen schon thematisch alle wichtigen Gedankengänge von Cioran enthält. Nachdem die Werke Ciorans weitgehend auf deutsch vorliegen, gibt die Audio-CD "Cafard" in Form von Interviews bzw. Tonaufnahmen (überwiegend in deutsch) ebenfalls einen sehr guten Zugang zur Welt dieses Olympioniken des Scheiterns und eingefleischten Skeptikers

Genießt und leidet wie Mylène mit E.M. Cioran, geboren 1921, gestorben 1995 in Paris.


Werke von E. M. Cioran
(in der Reihenfolge der Veröffentlichungen)

1934 Pe culmile disperarii. (dt. Auf den Gipfeln der Verzweiflung, 1989)

1936 Cartea amagirilor (dt. Das Buch der Täuschungen, 1990)
Schimbarea la fata a Romaniei (dt. Die Verklärung Rumäniens)

1937 Lacrimi si Sfinti (dt. Von Tränen und Heiligen, 1988)

1940 Amurgul gandurilor (dt. Gedankendämmerung, 1993)

1949 Précis de décomposition (dt. Lehre von Zerfall, 1953)

1952 Syllogismes de l'amertume (dt. Syllogismen der Bitterkeit, 1969)

1956 La tentation d'exister (dt. Dasein als Versuchung, 1983)

1960 Histoire et utopie (dt. Geschichte und Utopie, 1965)

1964 La chute dans le temps (dt. Der Absturz in die Zeit, 1972)

1969 Le mauvais démiurge (dt. Die verfehlte Schöpfung, 1973)

1970 Valéry face à ses idoles (dt. Valéry und seine Idole, 1980)

1973 De l'inconvéniet d'etre né (dt. Vom Nachteil geboren zu sein, 1979)

1977 Essai sur la pensée réactionair. A propos de Joseph de Maistre (dt. Über das reaktionäre Denken. Zu Joseph de Maistre, 1980)

1979 Écartèlment (dt. Gevierteilt, 1982)

1986 Exercise d'admiration. Essais et portraits. (dt. Widersprüchliche Konturen. Literarische
Portraits, 1986)

1987 Aveux et Anathèmes (dt. Der zersplitterte Fluch, 1987)

1990 Revelatiile Durerii (dt. Die Offenbarung des Schmerzes)

1991 Indreptar Patimas (dt. Leidenschaftlicher Leitfaden, 1998)
Singuratate si Destin. Publicistica 1931-1941 (dt. Einsamkeit und Schicksal.
Veröffentlichungen 1931-1944)